Sonntag, 29. Mai 2022

Woche 4

 +++Uvac Nationalpark+++Dormitor(Montenegro)+++Shkodra Lake(Albanien)+++Petrovac(Montenegro)+++

... von christian...

Die Nacht an der Strasse ist verregnet. So verregnet, das wir frühs bei Zeiten die Flucht ergreifen, um nicht Gefahr zu laufen uns auf dem Feldweg festzufahren. So verregnet, dass das Wasser irgendwo hindurch bis ins Innere des Autos vordrang und auf die Matratze tropft.

Doch ich muss  gleich die väterlichen Jubelschreie aus Stedten im Keim ersticken: "Ich habs doch gleich gesagt. Dachfenster- macht kein Mensch. Das wird nie dicht! Das bringt nur Ärger! Hör auf meine Worte! etc... "  Es liegt nämlich nicht am Dachfenster sondern an zu viel Filz an der Heckklappe. Is also schon behoben.   

Weil wir das Gefühl haben, das sich das Baby während der vielen Stunden im Kindersitz langweilt und in seiner Entwicklung zurück bleibt, werden wir jetzt mehr Campingtage einplanen. Hier soll er endlich mal dieses "Laufen" lernen.   

Weiter geht es nach Montenegro (0,3 Promillegrenze für den Fahrer).  Die Tara-Brücke ist ziemlich imposant. Hier können das Baby und ich endlich unsere erste Zipline-Erfahrung machen. 


 

Gecampt wird im Durmitor Nationalpark. Der Blick auf die schneebedeckten Felsen wird nur von unserem Floddercamp zerstört.  Wir nutzen die Zeit um unsere Wäsche zu waschen und nichts zu tun.



 

Minni-Me krabbelt über den kompletten Platz und freundet sich mit jedem Hund an. Er wird immer aktiver, so aktiv, dass er uns vielleicht im Bus umfällt. Ehrlicherweise müsste man sagen MEHRFACH im Bus umfällt. Noch ehrlicherweise müsste man sagen MEHRFACH KOPFÜBER AUS DEM Bus fällt. Das ist ein Schockmoment für uns und wir schwören uns besser aufzupassen.   


 

Auf den Ratschlag unseres Campingnachbarn hin fahren wir für 2-3 Nächte auf die albanische Seite (Promillegrenze 0,1) des Shkodra Lakes in ein schön angelegtes Camping Resort. Hier wimmelt es von Birgits, Giselas und Haralds. Eigentlich wollen wir gleich wieder die Flucht ergreifen. Aber der Platz im Schatten mit direktem Seezugang, das Restaurant am Wasser und die gesamte Ausstattung der Anlage sind zu verlockend. Es gibt W-LAN und sogar Tretboote!  Wir  sind von den 100 Gästen nun wahrscheinlich die 98. Deutschen. Neben uns parken 2 Motorradfahrer aus Österreich. Total die Exoten!  Mit denen reden wir nicht!  

Der Rest teilt sich in zwei Lager. Rentner in Wohnmobilen, die ständig in Badeklamotten ihre sonnengegerbte Haut präsentieren und junge Eltern in VW Bussen, die ihre Elternzeit damit verbringen ihren überallhinpinkelnden Kleinkindern hinterherzujagen. Es herrschen ungeschriebene Regeln auf dem Platz.  

1. Das Gelände wird während des Aufenthaltes nicht verlassen. - Schliesslich ist man hier hergefahren um sich zu erholen und nicht um sich die umliegenden schmutzigen Dörfer anzuschauen.  

2. Bezahlt wird in Euro - das erschwert lästiges umrechnen und macht deutlich wie billig hier essen und trinken ist. Das führt uns zu Punkt 3. 

3. Es muss ständig erwähnt werden wie billig hier alles ist.  

4. Der beste Stellplatz ist direkt am Wasser. - natürlich bedeutet das aber nicht, dass man auch baden gehen muss.  

5. Fährt ein neuer Camper auf den Platz muss dessen Mobil kritisch beäugt werden.  

6. Es gibt nur einen Kinderstuhl im Restaurant, damit hier auch die jungen Eltern den späteren Kampf um die Liege schonmal üben können.  Wir versuchen nicht weiter aufzufallen und halten uns daran.  So siechen wir also ein paar Tage dahin und bleiben gefangen im ewigen Rhythmus des Schlafen-Essen-Verdauen-Schlafen...  

 



Am Samstag verlassen wir das "Paradies". Vom Auto aus besichtigen wir noch die nächst grössere Stadt Shkoder. Aussteigen brauch man hier nicht und Nina kann im Safaristil ihrer Fotos auch durch die Windschutzscheibe machen. Es ist auch wirklich arg dreckig und die Frucht hat noch nicht alle Impfungen. 

 


Wir fahren also zurück über die Grenze nach Montenegro. Grenzübergänge sind immer etwas Besonderes. Kein nettes "Hallo" sondern Rumgemackere von allen Seiten. Hauptsache streng gucken und wichtig tun.  

Das Baby schmeckt zum ersten Mal Salzwasser. 

 



Wir suchen uns einen Platz direkt an der Küste und werden Dank Starkregen ans Auto gezwungen. Wir kochen mal wieder vegetarischen Plov. Das ist einfach und man kann es mit einem Topf machen. Deswegen gibt es das regelmässig. So regelmässig, dass wir bestimmt bald keinen Bock mehr darauf haben werden. Für andere Rezeptvorschläge sind wir dankbar.



Dienstag, 24. Mai 2022

Woche 3

 +++Golubac+++Cuprija+++Uvac Nationalpark+++

... von Nina... 

Zunächst hatten wir überlegt, ob wir nun jede Woche ein Drama einbauen sollten, um euch bei Laune zu halten. So ein Reiseblog kann ja schnell langweilig werden... 

Zumindest für diese Woche haben wir uns dagegen entschieden. In 2 Wochen das Auto schon 2 mal für insgesamt knapp 700€ in der Werkstatt zu haben reicht und erst mal. Alles andere kostet zu viel Geld und vor allem Nerven. 

Nachdem wir stundenlang vor einem Restaurant irgendwo an der Donau standen und mehrfach damit vertröstet wurden, dass schon bald ein Mechaniker käme, kommt um 22h der Abschleppdienst aus der Ferne angereist. Er lädt Jumpy auf die Ladefläche und schleppt uns sagenhafte 4 Stunden quer durchs Inland.  Bela macht, wie immer, gut mit und schläft die Zeit einfach durch. 

 


Auf Kosten des ADAC checken wir in ein Hotel ein, dessen Betreiber der Freund des zuständigen Werkstattbesitzers ist. Ich habe mich lange nicht so geekelt wie in diesem Zimmer! Braune Flecken an der Tapete und auf dem Teppich, Haare von den vorherigen Gästen und im Bad ein dicker Schimmelpilz (mit Fell!) an der Wand. Das Hotel gehört zu einer Bar und im ganzen Haus wird geraucht, wie in Serbien fast überall in Innenräumen.  Am nächsten Tag bleibt es bis nachmittags spannend. Wir wissen nicht, ob und wie unsere Reise weitergeht. 

Der Werkstattbetreiber überbringt uns dann endlich die Diagnose "defekter Anlasser". Er kann ihn auswechseln und wir flüchten aus dem "Hotel" auf den nächstgelegenen Campingplatz. Was für eine Freude! Wir haben unser Schlafzimmer mit Kleiderschrank, Belas Spielzimmer und Wohnzimmer samt Bibliothek und unsere Küche auf 4 Rädern endlich zurück und können den nächsten Routenabschnitt planen. 

 


Dieser führt uns nun Richtung Tara Nationalpark direkt an die bosnische Grenze. Unterwegs wollen wir einen Zwischenstopp zum Wildcampen einlegen. Wir suchen uns auf der Karte ein schönes Fleckchen direkt am Ufer eines Sees aus, kaufen noch Sachen zum Kochen und freuen uns auf einen entspannten Abend am Wasser.  Doch es kommt anders.  Unterwegs zieht ein Unwetter mit Starkregen auf. Das Wasser hätten wir damit - quasi.  

Da die Straßen nun teils geflutet sind und man die Schlaglöcher gar nicht mehr erkennen kann und die Route teils zwischen steilen Bergwänden auf Schotterpisten verläuft, legen wir einen Zwischenstopp in einer recht - sagen wir- imposanten Stadt namens Uzice ein.  Hier wirkt Serbien, abgesehen von ein paar Vierteln in Belgrad, das erste Mal richtig heruntergekommen, ärmlich und auch vom Krieg gezeichnet (Bombeneinschlaglöcher in den Häusern).  Die Hochhäuser haben zum Teil kaputte Fenster, fast alle Häuser sind unverputzt und es wirkt insgesamt einfach dreckig und fast etwas gruselig.  Der dunkle Unwetterhimmel und ein streunendes Hunderudel dazu schmücken das Bild entsprechend.  

 


Es wird langsam dunkel und wir müssen einsehen, dass wir heute nicht mehr am Ziel ankommen werden. Und dann ist da noch das Baby. Und das hat Hunger!  Die Suche nach einem geeigneten Platz für die Nacht führt uns noch durch den Wald und dieselbe Schnellstraße ein paar Mal hoch und runter, bevor wir am Ende auf einem Hotelparkplatz unseren Frieden finden. Wohlwissend, dass wir im Morgengrauen am besten gleich wieder verschwinden. Offiziell ist Wildcampen in Serbien nicht erlaubt....   

Die Speisekarten, die wir uns mit der Handykamera und der Google Translator App übersetzen, halten weiterhin interessante Gerichte wie "Begrabener Käse" für uns bereit.  Auch Bela bekommt zwischendurch ein Überraschungsgericht. Aber es steht "HiPP" drauf und dafür steht der Klaus ja.... Naja ihr wisst schon.   

 


Unser Weg führt uns mehrfach durch Tunnel. Diese haben hier oft kein Licht, dafür jede Menge Schlaglöcher. Man fährt in ein tiefes schwarzes enges Nichts und hofft einfach, dass kein Gegenverkehr kommt.  


Die nächsten Tage verbringen wir am Zaovine Lake. Der an sich sehr schöne See ist künstlich angelegt und dient mit mehreren riesigen Staudämmen der Energiegewinnung. Dies hat zur Folge, dass der Wasserstand extremen Schwankungen unterliegt. Zum jetzigen Zeitpunkt ist der See halb leer.   Zum Schwimmen konnten wir die Zeit daher nicht so gut nutzen. 


 


 

Dafür sind wir 2x mitten in die Dreharbeiten eines serbischen Films geraten. Dafür wurde die einzige Straße um den See einfach komplett abgesperrt und man musste warten bis eine Szene abgedreht war, bevor man weiterfahren durfte. Wir durften zuschauen und die vielen Schauspieler, die wie Kriegsverletzte geschminkt waren, bestaunen.

 


Unser letzter Stopp für diese Woche führt uns in den Uvac Nationalpark, auf einen Stellplatz in der Nähe eines Flusses. Hier gibt es ein kleinen familiengeführten Imbiss und wir teilen uns die Fläche (kostenlos) mit 4-12 Hunden und den 3 Kindern vom Restaurant. Um es vorwegzunehmen, die Hunde sind uns lieber!   

Die Kinder (4, 6 und 7) scheinen gar keine Berührungsängste mit Fremden zu haben. Anders ausgedrückt: Sie schwirrenn wie die Fliegen um uns herum und wir werden sie fast nicht mehr los. Bela, der sich über andere Kinder immer extrem freut, ergreift in diesem Fall nur noch die Flucht und versteckt sich, damit ihm nicht permanent ins Gesicht gegriffen wird. Die Tatsache, dass wir keinerlei serbisch sprechen interessiert keines der 3 Plagen. Sie reden einfach permanent weiter mit uns, lassen sich auch nicht davon abhalten uns IN DEN BUS HINEIN zu folgen.  

Schade! Wir wollten uns doch so gerne eine Scheibe von den extrem kinderlieben Serben ab abschneiden. Jede Supermarktkassiererin, jeder Kellner, einfach wirklich jeder, der mit uns in Kontakt kommt, freut sich über Bela und spaßt mit ihm rum.  Wir können das bei diesen 3 Kindern leider nicht zurückgeben.  


 

Die Nacht hier hat sich dennoch gelohnt. Heute konnten wir nach einer verregneten Nacht mit Gewitter zu einer 10km Wanderung aufbrechen.   4 Hunde begleiten uns die gesamte Strecke über. Bela lässt sich - trotz Hitze und dann wieder Regen-5 Stunden in seiner Trage herumchauffieren.   Die Aussicht ist phänomenal!  Natürlich wären wir nicht wir, wenn wir nicht mal wieder vom Weg abgekommen wären.  Wir denken uns nichts dabei, als wir über einen Drahtseilzaun steigen und über eine große schöne Wiese spazieren, bis wir an einem Haus eine wütende Bäuerin entdecken, die schreit und wild mit den Armen gestikuliert.  Dann fallen uns die Kuhfladen auf der Wiese auf und die Hunde haben auch schon Fährte aufgenommen.  Da die Bäuerin ihrerseits auch kläffende Hunde hinter sich hat, müssen wir mit unserem Rudel schleunigst umkehren, um ein Massaker zu verhindern...  Auch dieser Adrenalinschub macht sich spätestens beim Erreichen unseres Aussichtspunkts (Vidocovac Molitva) bezahlt! 


 

  Mit einem tränenden (Hunde) und einem lachenden (Kinder) Auge verlassen wir diesen unglaublich schönen Ort.   Nun stehen wir für für Nacht irgendwo am Straßenrand.  Denn Montenegro wartet  auf uns....   
 

 

Montag, 16. Mai 2022

Woche 2

 +++Zamardi(Balaton)+++Novi Sad+++Belgrad+++Golubac+++ 

... von christian... 

Das Baby zeigt an der serbischen Grenze tapfer den Pass vor und bekommt seinen ersten Stempel. Das hält einen weiteren Zollbeamten jedoch nicht davon ab unser Auto zu filzen und seine Hände tief in unsere Dreckwäsche zu stecken. Was sollen wir denn bitteschön nach Serbien schmuggeln?  Der Moment ist recht unangenehm... Als der Uniformierte einmal ums Auto herum gelaufen ist und das Baby entdeckt, fängt er an zu lächeln und wir dürfen passieren. 

Unser erstes googlen ergibt: in Serbien herrscht eine 0,3 Promillegrenze. Auch für den Beifahrer! 

Der nächste Stopp ist Novi Sad. Ein wunderschönes Zimmer - im Hinterhof mehrere Restaurants. Durchs Fenster hören wir die Gäste plaudern. Besteck kratz auf Tellern. Dass die Serben sehr gesellig sind, werden wir auf unserer Reise noch öfters feststellen. 

Hier müssen wir unbedingt länger bleiben. Wir schmeissen unsere Pläne über den Haufen und verlängern noch einen Tag.  Novi Sad ist europäische Kulturhauptstadt 2022. Eine belebte Altstadt - über der Donau trohnt eine Burg. Bei einem Spaziergang versuchen wir mit "Google Translator" etwas zu essen zu bekommen. Empfehlen können wir den "geräucherten Kleiderbügel" und "Eurocreme mit Plasma". 


In Belgrad leben wir auf einem Hausboot. Die Zimmer waren bestimmt mal Kulisse für billige Ost-Erotik-Filme. Wir benutzen den leeren Whirlpool als Spieleparadies für Bela. 


Belgrad wird nicht umsonst das Berlin des Ostens genannt. Zumindest von uns. Wir treiben uns auf dem RAW-Gelände rum (in Friedrichshain-für die Nicht-Berliner) und beobachten die Leute. Wunderschön sind sie hier. Stellen wir drei fest. Alle gut gekleidet, zurecht gemacht, sportlich. Also dann mal wieder gar nicht wie Berlin. 



Da wir von dieser Norm stark abweichen, verkrümeln wir uns dahin, wo wir hingehören - an die Touri-Spots.  Die Burg von Belgrad, diverse Militärausstellungen und das Grab des Diktators Tito. Kommunistischer Personenkult at its best. 


Von Belgrad aus folgen wir der Donau, vorbei am Fortress Golubac zu einem idyllischem Campingplatz. Hier sind wir die einzigen Gäste und können uns breit machen. Wir gönnen uns einen Tag Pause, beobachten die Angler am Strand und das Baby kann den ganzen Tag nackig planschen. Nachts hören wir Schakale.  



Sonntags haben wir eine Bootstour zum Iron Gate gebucht. So wird die engste und damit tiefste Stelle der Donau genannt. Wir sind mal wieder zu spät dran und rasen zum Treffpunkt, an dem das Boot ablegen wird. Die german-angst "nicht pünktlich anzukommen und das Boot zu verpassen" fährt mit. Wir erreichen den Parkplatz, Nina springt raus um das Boot aufzuhalten, ich stell das Auto ab und mache das Baby fertig. "Komm, komm.. Die warten auf uns." Ein gelangweilter Haufen sitzt an einem Plastiktisch. Ein Kerl trägt seine Kippe im Mundwinkel und eine weiße Kapitänsmütze. Die Rollenverteilung is klar.  

Meine Entschuldigung, dass wir zu spät sind, geht unter. Der Kerl stellt sich noch schnell seinen Schnaps in den Kopf und bittet uns aufs Boot. Die 0,3 Promille gelten hier wohl ausschliesslich für Beifahrer. Das Baby kriegt ne Schwimmweste verpasst, aus der es im Unglücksfall einfach rausrutschen würde. Ich simuliere Sorglosigkeit, um Nina nicht zu beunruhigen und sie tut es mir gleich. Vollkommen "sorglos" begeben wir uns in die Hände der Kapitänsmütze. 


Das Baby hat die nächsten 90 Minuten die Möglichkeit seine ersten Erlebnisse im Passivrauchen zu machen. Sie werden so schnell groß... 

Das Eiserne Tor selbst ist eher unspektakulär. Felsklippen, Wasser und rumänisches Ufer. Der Sohn der Kapitänsmütze ist unser Dolmetscher. Teilweise darf er aber auch Boot fahren. Er ist ca 11 Jahre alt und der grosse Schwarm unserer Frucht. 


Wir gehen Burger essen. Burger mit Würstchen, Grillkäse, Salat und Pommes. Was auf serbisch einfach "Fleisch" bedeutet. 


Was soll ich sagen - das war sechs Stunden her und seitdem hängen wir auf dem Parkplatz des Restaurants fest. Nicht wegen ner Cholesterinvergiftung, sondern weil Jumpy - unser Van - bockt. Kein Mucks. Batterie isses nicht. Sicherungen sind alle i. O. Und dann bin ich mit meinem Latein auch schon ziemlich am Ende. Der Restaurantchef will es genau wissen und simuliert Fachkenntnis. Boss-move halt. Er vermutet den Fehler am Tageskilometerzähler und drückt wild auf den Knopf, der die Kilometer auf Null zurück setzt. Nun sollte es gehen.  Boss-move halt. Das Ergebnis war zu erwarten. Er telefoniert viel herum und versucht irgendwo eine Werkstatt ausfindig zu machen. Is aber nicht so einfach auf nen Sonntag.  

Stand jetzt - wir sind zuversichtlich, dass es irgendwie weiter geht. Montag werden die Werkstätten öffnen.




Montag, 9. Mai 2022

Woche 1

 +++Berlin+++Bratislava+++Budapest+++Györköny+++Zamardi (Balaton)+++

... von christian ... 

"Eltern... Dank mir habt ihr jetzt drei Monate Auszeit. Wenn ihr nix plant, verbringt ihr diese Zeit damit bis Mittag zu frühstücken und anschließend schiebt ihr euch direkt den Wein in den Kopp. Das mach ich nicht mit! Ich muss hier raus! Raus aus dem Karlshorstspieß. Ich will was anderes sehen als Vorgärten mit Trampolinen und Krabbelgruppen mit Helikoptereltern" 

Das Baby hatte Recht. 

"... und ausserdem gibt es hier noch nichmal ne Kneipe!" schob ich nach. 

Also planen wir für die drei Monate einen Roadtrip durch Europa. Der Bus ist bis zum Gewürzregal ausgebaut, die Wohnung untervermietet und von Freunden und Verwandten haben wir uns verabschiedet. 

Am 01.05. schlagen wir in Bratislava auf. Nina kann immernoch nicht richtig laufen, da sie ein paar Tage zuvor noch einen chirurgischen Eingriff an der Fußsohle hatte. Jetzt humpelt sie und hüpft vor Schmerzen, was beim Baby jedesmal einen Lachanfall auslöst - Geiler Humor! Genauso lustig fand es unsere Brut, kurz vor der Reise die Klimaanlage unseres Vans zu sabotieren und meine Kreditkartenpin zu löschen. Challenges, die wir noch managen werden. 

Was macht man nun zu dritt in Bratislava, mit Nina, die nicht laufen kann und dem Baby, welches nicht laufen will. Kurze Zeit später finden wir uns in einem unauffälligen Hop-on-hop-off-Bus mit Panoramadach.


An den nächsten zwei Tage stromern wir durch Budapest. Ich bin gern in dieser Stadt und dem Rest der Familie scheint sie auch zu gefallen.

 


Hier kann ich 6 Jahre nach meiner Radreise meinen Kumpel Aki wieder treffen. Er ist immernoch rastlos, gefühlt seit einer Ewigkeit unterwegs und nutzt die Chancen die sich ihm bieten. 

Die nächste Station ist das Dorf Györköny, ein Ort mit einer engen Verbindung zu meiner Familie. Hier haben meine Großeltern gewohnt, bis sie nach dem zweiten Weltkrieg vertrieben wurden und ihre Heimat verlassen mussten.



 In meiner Kindheit verbrachte ich viel Zeit hier und überall hängen Erinnerungen in der Luft. Es ist schön, die nächste Generation durch das Dorf seiner Vorfahren zu tragen.

Meine Freunde Nelli und Jonny wohnen hier und laden uns zu ihnen ein. Nelli arbeitet in dem Dorf als Näherin und Jonny betreibt, unter anderem, eine Art Gnadenhof für behinderte Hühner. Zur Zeit hat er ein lahmes Huhn - das "Täubchen" - welches er frühmorgens aus dem Stall trägt und in die Sonne setzt. Es kriegt das beste Futter und das frischeste Wasser. Ich bin mir sicher er würde auch das Eierlegen für das Täubchen übernehmen, wenn das ginge. 

 


Jerking (das ist der deutsche Namen des Dorfes - nicht der englische) ist berühmt für seine zahlreichen und wunderschönen Weinkeller. Genau unser Ding. So können wir nach nem langen Frühstück gleich Wein verkosten. 

Das Baby fühlt sich verarscht. 

Es spricht jetzt übrigens sein erstes Wort. Das heißt "itte" und wird als Synonym für "Danke" oder "Bitte" verwendet. Diese Freundlichkeit hat es weder von mir noch von Nina und macht mich dementsprechend skeptisch. Sollte sein erster Satz "Können Sie bitte ein Paket für den Nachbarn annehmen?" sein, hat sich mein Verdacht vollends bestätigt. und ich brech das hier ab.

Hier gelingt es uns auch die Klimaanlage reparieren zu lassen. Dem Sommer am Mittelmeer steht also nichts mehr im Wege. 

Samstag Nachmittag kommen wir in Zamardi an. Auch einer meiner Kindheitsorte. Wieviele Sommer hab ich hier am Balaton verbracht. Auf dem Ausflug nach Tihany trafen wir wieder Aki und auf zahlreiche Zuschauer des Radrennens Giro d'Italia. Komische Fans. Die pilgern in voller Fanmontur von ganz Ungarn an die Rennstrecke für diesen 13 Sekundenspuk:

Gerade sind wir auf dem Weg nach Serbien. Jetzt betrete auch ich unbekanntes Terrain. Vorher wird der Tank nochmal bis zum Anschlag gefüllt. Die Dieselpreise sind von der ungarischen Regierung gedeckelt bei maximal 1.20 Euro/Liter - Danke Victor O.!

Zukünftig versuchen wir hier wöchentlich zu berichten. Immer so gegen Sonntag/Montag. Wir freuen uns auch immer über Kommentare (gerne auch mit Namen).

Viele Grüße vom Baby und seinen Chauffeuren.