+++Berlin+++Bratislava+++Budapest+++Györköny+++Zamardi (Balaton)+++
... von christian ...
"Eltern... Dank mir habt ihr jetzt drei Monate Auszeit. Wenn ihr nix plant, verbringt ihr diese Zeit damit bis Mittag zu frühstücken und anschließend schiebt ihr euch direkt den Wein in den Kopp. Das mach ich nicht mit! Ich muss hier raus! Raus aus dem Karlshorstspieß. Ich will was anderes sehen als Vorgärten mit Trampolinen und Krabbelgruppen mit Helikoptereltern"
Das Baby hatte Recht.
"... und ausserdem gibt es hier noch nichmal ne Kneipe!" schob ich nach.
Also planen wir für die drei Monate einen Roadtrip durch Europa. Der Bus ist bis zum Gewürzregal ausgebaut, die Wohnung untervermietet und von Freunden und Verwandten haben wir uns verabschiedet.
Am 01.05. schlagen wir in Bratislava auf. Nina kann immernoch nicht richtig laufen, da sie ein paar Tage zuvor noch einen chirurgischen Eingriff an der Fußsohle hatte. Jetzt humpelt sie und hüpft vor Schmerzen, was beim Baby jedesmal einen Lachanfall auslöst - Geiler Humor! Genauso lustig fand es unsere Brut, kurz vor der Reise die Klimaanlage unseres Vans zu sabotieren und meine Kreditkartenpin zu löschen. Challenges, die wir noch managen werden.
Was macht man nun zu dritt in Bratislava, mit Nina, die nicht laufen kann und dem Baby, welches nicht laufen will. Kurze Zeit später finden wir uns in einem unauffälligen Hop-on-hop-off-Bus mit Panoramadach.
An den nächsten zwei Tage stromern wir durch Budapest. Ich bin gern in dieser Stadt und dem Rest der Familie scheint sie auch zu gefallen.
Die nächste Station ist das Dorf Györköny, ein Ort mit einer engen Verbindung zu meiner Familie. Hier haben meine Großeltern gewohnt, bis sie nach dem zweiten Weltkrieg vertrieben wurden und ihre Heimat verlassen mussten.
In meiner Kindheit verbrachte ich viel Zeit hier und überall hängen Erinnerungen in der Luft. Es ist schön, die nächste Generation durch das Dorf seiner Vorfahren zu tragen.
Meine Freunde Nelli und Jonny wohnen hier und laden uns zu ihnen ein. Nelli arbeitet in dem Dorf als Näherin und Jonny betreibt, unter anderem, eine Art Gnadenhof für behinderte Hühner. Zur Zeit hat er ein lahmes Huhn - das "Täubchen" - welches er frühmorgens aus dem Stall trägt und in die Sonne setzt. Es kriegt das beste Futter und das frischeste Wasser. Ich bin mir sicher er würde auch das Eierlegen für das Täubchen übernehmen, wenn das ginge.
Jerking (das ist der deutsche Namen des Dorfes - nicht der englische) ist berühmt für seine zahlreichen und wunderschönen Weinkeller. Genau unser Ding. So können wir nach nem langen Frühstück gleich Wein verkosten.
Das Baby fühlt sich verarscht.
Es spricht jetzt übrigens sein erstes Wort. Das heißt "itte" und wird als Synonym für "Danke" oder "Bitte" verwendet. Diese Freundlichkeit hat es weder von mir noch von Nina und macht mich dementsprechend skeptisch. Sollte sein erster Satz "Können Sie bitte ein Paket für den Nachbarn annehmen?" sein, hat sich mein Verdacht vollends bestätigt. und ich brech das hier ab.
Hier gelingt es uns auch die Klimaanlage reparieren zu lassen. Dem Sommer am Mittelmeer steht also nichts mehr im Wege.
Samstag Nachmittag kommen wir in Zamardi an. Auch einer meiner Kindheitsorte. Wieviele Sommer hab ich hier am Balaton verbracht. Auf dem Ausflug nach Tihany trafen wir wieder Aki und auf zahlreiche Zuschauer des Radrennens Giro d'Italia. Komische Fans. Die pilgern in voller Fanmontur von ganz Ungarn an die Rennstrecke für diesen 13 Sekundenspuk:
Gerade sind wir auf dem Weg nach Serbien. Jetzt betrete auch ich unbekanntes Terrain. Vorher wird der Tank nochmal bis zum Anschlag gefüllt. Die Dieselpreise sind von der ungarischen Regierung gedeckelt bei maximal 1.20 Euro/Liter - Danke Victor O.!
Zukünftig versuchen wir hier wöchentlich zu berichten. Immer so gegen Sonntag/Montag. Wir freuen uns auch immer über Kommentare (gerne auch mit Namen).
Viele Grüße vom Baby und seinen Chauffeuren.





