Sonntag, 12. Juni 2022

Woche 6

 ***Von Nina***

Mostar ist schön! Es wurde während des Bosnienkriegs in den 90ern stark zerstört und das ist bis heute sichtbar. Die Stadt ist weiterhin getrennt. Auf einer Seite des Flusses leben die Bosniaken (die muslimischen Bosnier) und auf der anderen Seite die bosnischen Kroaten. Das merkt bzw sieht man auch, wenn man durchläuft.
Schon 2018 hat uns der Sniper Tower beeindruckt, ein ehemaliges Bankgebäude, auf dem die bosnischen Kroaten Scharfschützen platziert haben, um die Gegenseite zu beschießen. Um so merkwürdiger ist das Gefühl jetzt unseren Belaprinzen im Buggy davor zu sehen.

 


 

Sowohl in Mostar als auch in Sarajevo, unserem nächsten längeren Aufenthalt, scheint der Krieg noch allgegenwärtig. Unzählige Wohnhäuser sind voller Einschusslöcher und insbesondere in Sarajevo reiht sich ein Friedhof an den nächsten.
Die unzähligen weißen Steine zeigen zumeist Todesdaten zwischen 1992 und 1995.


 

Die Vorstellung, dass fast jeder Erwachsene hier noch aktive Erinnerungen an den Krieg haben dürfte, ist heftig. Die Museen, die wir uns dazu anschauen, verschonen einen nicht mit Bild- und Tonaufnahmen aus dieser schrecklichen Zeit.
Im Unterschied zu den verwackelten Schwarz-Weißaufnahmen aus dem 2. WK, ist hier alles in Farbe und wirkt wesentlich näher. Unzählige Bilder von Leichen, auch von Babys und Kindern, hängen in Großformaten an den Wänden. Daneben laufen Videos mit Interwies von Müttern, die beschreiben wie sie ihre Söhne und Männer vor dem Massaker von Srebrenica entrissen bekommen haben. Dazwischen krabbelt Bela auf dem Boden herum (was ein mulmiges Gefühl) und beschwert sich lauthals, weil ihn das alles anödet. Feingefühl hat er nicht, dieser Bengel! Dabei hatten wir ihm mehrfach alles erklärt und er hat sogar die Dokus mit uns geschaut...

Einerseits ist es beeindruckend wie bunt gemischt die Kulturen in Sarajevo nebeneinander leben. Es gibt ca 70 Moscheen, die teils in unmittelbarer Nähe zu orthodoxen und christlichen Kirchen und Synagogen stehen. Es laufen voll verschleierte Frauen in Burka, neben jungen Frauen in bauchfreiem Top.
Andererseits ist bekannt, dass dieser Frieden auferzwungen ist und unter der Oberfläche weiterhin Bosniaken, Kroaten und Serben durchaus Feinde sein können. Die Museen, die wir hier besuchen, zeigen nur eine Seite - die der Muslime.
Dass auch Serben und Kroaten zu Tode kamen, wird nicht erwähnt. So werden als Täter auch nur Milosevic, Mladic und Co erwähnt.

Am Krieg kommt man also nicht vorbei, wenn man durch Bosnien, das am meisten geschädigte Land auf dem Balkan, reist.

Uns hat es hier, trotz oft bedrückender Bilder, super gefallen. Wir waren vielfach lecker essen, Bela war ein Türoffner auch zu solchen Männern, die zunächst nicht freundlich wirkten und zum Rest sowieso. Sarajevo hat für mich etwas mystisches, das ich sehr mag. Der Fluss, der nach Regenfällen rot gefärbt ist und dazu die Muezzingesänge, die sich über die Dächer legen und die muslimischen Bürger zum Gebet rufen.

 




Wir sehen uns eine der Moscheen an. Was soll ich sagen... Ein großer Raum, der komplett mit Teppich ausgekleidet ist. Ein idealer Ort, um Bela krabbeln zu lassen. Hält man ihn davon ab, kann man sich von der hervorragenden Akustik beeindrucken lassen. Mir reicht dieser eine Moscheebesuch. So ein Kopftuch steht mir einfach nicht!

 



 

Nun geht es weiter Richtung kroatische Grenze.  Diesmal reisen wir etwas nördlicher ein und hoffen dem Massentourismus noch zu entkommen. Vor uns liegen einige Stunden Fahrt. Bela, der ungünstiger Weise immer mehr eigenen Willen entwickelt, den wir bisher nicht schaffen zu brechen, wird das nicht gefallen. Mal sehen wie weit wir heute kommen....

Ich möchte nicht unerwähnt lassen welche (meist tierische) Hindernisse und auf den Straßen hier öfters begegnet sind. Von der riesen Blindschleiche konnten wir leider kein Bild machen.

 


 

Wir finden noch vor der Grenze einen Platz zum Wildcampen, direkt an einem großen See in der Nähe von Tomislavgrad. Es ist sehr stürmisch und kühl. Die Wellen sind so hoch, wie man es sonst nur vom Meer kennt. Daher ist Baden an diesem Abend keine Option aber der Platz ist super schön.



 

Am Campingplatz in Kroatien finden wir uns erneut an einem richtig schönen See wieder. Es sind kaum Gäste da und Badewetter haben wir auch. So geht diese Woche entspannt zu Ende. Ich könnte jetzt noch mehr langweiliges Zeugs schreiben, stattdessen wünsch ich euch allen einen schönen Restsonntag! Bela macht's sich in der Hängematte bequem.

 



















5 Kommentare:

  1. Was ich gut alles erlebt in diese Wochen. Da kann ich den kleinen BelaBären schon verstehen, dass er diese Kriegsthemen nicht so intensiv durchleben mag. War kurz vor dem Krieg damals in Sarajevo und war von dem Mix ebenfalls sehr angetan. Um so schwere und verwirrender waren die dann folgenden Erlebnisse.

    Wünsche Euch sonnige und wohlige Tage in Kroatien und hoffe, ihr findet weiter schöne Plätze zum übernachten und sein.

    Liebe Grüße von der Frau aus dem Hügelland 🥰

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  2. Schön und informativ beschrieben, liebe Tochter. Gute Reise weiterhin

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  3. Heller Rhabarber12. Juni 2022 um 18:25

    Mit viel Liebe geschrieben, hatte ein bisschen Gänsehaut. ❤️
    Liebe Grüße aus Berlin

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  4. Zunächst einmal nachträgliche HERZLICHE GLÜCKWÜNSCHE unbekannter weise aus KH! Dann anschließend ein dickes Kompliment für die Reiseberichte! Sie beinhalten alles, was die Leserschaft braucht um auf wunderbare Weise mitreisen zu können! DANKE! Wir haben viel gelacht, uns an ähnliche Situationen erinnert, auch wenn wir das alles nur zu zweit als altes Ehepaar -ohne sonnen gelederte Haut- nicht mit WoMo sondern einem alten Camper, wohl bemerkt! Es ist toll, daß ihr die Elternzeit wirklich als Eltern dieses bezaubernden kleinen Kerlchens nutzt. Welch ein Geschenk! Dann kommt gut weiter! Ich schau gerne mal ab und zu rein. Ciao Rafaela

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