+++Cancale+++Normandie+++Etretat+++
...von christian...
Die ersten Tage der Woche verbringen wir noch in der Bretagne. Wir verschwenden unsere Tage damit, uns über die Gezeiten zu wundern und Muscheln zu essen. Ich ernte meine am Strand und das Baby bekommt sie im Restaurant serviert.
Ab und an gehen wir baden. Uns erreicht die Nachricht, dass unser Campingplatz auf dem wir vor Bordeaux waren und evakuiert wurden, abgebrannt ist.
Ich kann einen alten Punkt auf meiner bucket-list abhaken - Mont Saint Michel. Nach dem Eiffelturm, der berühmteste Platz in Frankreich. Ein Dorf mit Kirche auf einer Insel im Meer gebaut. Total surreal. Von Weitem schon erkennt man die Gebäude, die wie eine Pyramide aus dem Watt ragen. Der Anstieg zur Kirche ist eine steile Treppe. Richtig gute Idee hier mit einem Kinderwagen aufzuschlagen. Dem Prinz ist es egal, er wird ja in seiner Senfte überall hin geschleppt. Auf halber Strecke machen wir Rast und setzen uns neben einem alten Mann. Er sucht das Gespräch, erzählt von seiner Tochter, die in Wien lebte. Er kommt aus Russland - und war ziemlich glücklich, mit mir ein paar Brocken russisch zu sprechen. Ich versteh zwar recht wenig, kann das aber mittlerweile mit meinem Schulrussisch sicher überspielen. Er schenkt uns seine Eintrittskarte zur Kirche. Er wird sie nicht erreichen, da er Probleme mit den Knien hat und der Anstieg für ihn zu steil ist.
Selbst in Frankreich kommt man mit Russisch also weiter.
Unser nächster Stopp ist in der Normandie.
Wir campen auf einem Platz, den wir uns mit einem alten Bunker (oder Flagstellung - so genau weiss ich das nicht) teilen. Überall is Krieg. Wir nutzen das gute Wetter und die Nähe zum Meer und gehen ins Museum. Thema is die Machtergreifung Hitlers und die Schlacht am D-Day. Die Deutschen kommen mal wieder schlecht weg.
Auf dem Campingplatz is das Baby selig. Es kann weit laufen, ohne von uns eingefangen zu werden und vor allem gibt es viele Hunde und andere Kinder. Zu unserem Unglück bekommen wir sehr spezielle Nachbarn. Oma, Mutter und der rothaarige und aufgeweckte Vincent, der, wenns gut läuft, von seiner Mutter auch mal liebevoll "Vinnie" genannt wird. Also eher selten. Der vielleicht dreijährige Vinnie beginnt jeden Satz mit "Weißt du...?"
"Weißt du, dass ich die meisten Muscheln gesammelt habe?"
"...ich den Ball am höchsten schießen kann?"
"... unser Auto grösser ist als eures?"
"... mein Papa morgen auch kommt?"
"... mein Papa im Stau steht und deswegen später kommt?"
Irgendwann klaut er unserem Baby den Ball und tritt vor seinen heiligen Holztraktor. Ich finde das gemein. In meinem Kopf misch ich mich ein und frage Vinnie, warum er das macht? Ob er sich mal gefragt hat, dass sein Vater vielleicht gar nicht im Stau steht? Sondern lügt, weil er nicht kommen will? Weil er ihn nicht lieb hat?
Darf man ja alles nicht sagen und deswegen lasse ich es.
Mit einem Strandtag in Étretat verabschieden wir uns von der Normandie und starten unsere letzte Woche der Reise.





















