Montag, 25. Juli 2022

Woche 12

+++Cancale+++Normandie+++Etretat+++

...von christian...

Die ersten Tage der Woche verbringen wir noch in der Bretagne. Wir verschwenden unsere Tage damit, uns über die Gezeiten zu wundern und Muscheln zu essen. Ich ernte meine am Strand und das Baby bekommt sie im Restaurant serviert.


Ab und an gehen wir baden. Uns erreicht die Nachricht, dass unser Campingplatz auf dem wir vor Bordeaux waren und evakuiert wurden, abgebrannt ist.

Ich kann einen alten Punkt auf meiner bucket-list abhaken - Mont Saint Michel. Nach dem Eiffelturm, der berühmteste Platz in Frankreich. Ein Dorf mit Kirche auf einer Insel im Meer gebaut. Total surreal. Von Weitem schon erkennt man die Gebäude, die wie eine Pyramide aus dem Watt ragen. Der Anstieg zur Kirche ist eine steile Treppe. Richtig gute Idee hier mit einem Kinderwagen aufzuschlagen. Dem Prinz ist es egal, er wird ja in seiner Senfte überall hin geschleppt. Auf halber Strecke machen wir Rast und setzen uns neben einem alten Mann. Er sucht das Gespräch, erzählt von seiner Tochter, die in Wien lebte. Er kommt aus Russland - und war ziemlich glücklich, mit mir ein paar Brocken russisch zu sprechen. Ich versteh zwar recht wenig, kann das aber mittlerweile mit meinem Schulrussisch sicher überspielen. Er schenkt uns seine Eintrittskarte zur Kirche. Er wird sie nicht erreichen, da er Probleme mit den Knien hat und der Anstieg für ihn zu steil ist.
Selbst in Frankreich kommt man mit Russisch also weiter.



Unser nächster Stopp ist in der Normandie.

Wir campen auf einem Platz, den wir uns mit einem alten Bunker (oder Flagstellung - so genau weiss ich das nicht) teilen. Überall is Krieg. Wir nutzen das gute Wetter und die Nähe zum Meer und gehen ins Museum. Thema is die Machtergreifung Hitlers und die Schlacht am D-Day. Die Deutschen kommen mal wieder schlecht weg.


Auf dem Campingplatz is das Baby selig. Es kann weit laufen, ohne von uns eingefangen zu werden und vor allem gibt es viele Hunde und andere Kinder. Zu unserem Unglück bekommen wir sehr spezielle Nachbarn. Oma, Mutter und der rothaarige und aufgeweckte Vincent, der, wenns gut läuft, von seiner Mutter auch mal liebevoll "Vinnie" genannt wird. Also eher selten. Der vielleicht dreijährige Vinnie beginnt jeden Satz mit "Weißt du...?"
"Weißt du, dass ich die meisten Muscheln gesammelt habe?"
"...ich den Ball am höchsten schießen kann?"
"... unser Auto grösser ist als eures?"
"... mein Papa morgen auch kommt?"
"... mein Papa im Stau steht und deswegen später kommt?"

Irgendwann klaut er unserem Baby den Ball und tritt vor seinen heiligen Holztraktor. Ich finde das gemein. In meinem Kopf misch ich mich ein und frage Vinnie, warum er das macht? Ob er sich mal gefragt hat, dass sein Vater vielleicht gar nicht im Stau steht? Sondern lügt, weil er nicht kommen will? Weil er ihn nicht lieb hat?
Darf man ja alles nicht sagen und deswegen lasse ich es.




Mit einem Strandtag in Étretat verabschieden wir uns von der Normandie und starten unsere letzte Woche der Reise.





Montag, 18. Juli 2022

Woche 11

 +++Toulouse+++Dune du Pilat+++La Tranches-sur-mer+++Nantes+++Cancale+++

... von christian...

Die Dune de Pilat - die höchste Wanderdüne Europas - trennt unser Camp vom Atlantik. Wie ein schlechter Scherz ragt sie vor uns in den Himmel und macht den kurzen Spaziergang zum Atlantik zu einer Tortur. Trotzdem ist es faszinierend diesen Sandklops zu besteigen und auf der anderen Seite den Atlantik zu sehen. Wir verbringen den Nachmittag am Meer und lassen uns auch von den aufsteigenden Rauchschwaden auf der Campseite nicht stören. Beim Rückweg wird klar, dass ein Waldbrand in der Nähe wütet. Sirenen tönen durch den Wald und die Löschflugzeuge drehen ihre Runden. 


 

Den besten Blick hat man von der Düne, weshalb allerhand Franzosen ihren Aperitif hier hoch verlegen und den Flugzeugen beim Löschen und dem Brand beim Brennen zuschauen. Nach Einbruch der Dunkelheit sieht man die Brandherde besonders gut. Die Leute im Camp waren entspannt. Kein Grund zur Panik - immerhin steht der Wind gut und uns trennt noch eine Strasse vom Feuer. Das wird schon gut gehen. Denken wir und legen uns schlafen.

Nachts um drei steht eine junge Frau an unserem Auto. "The fire is coming - you 'ave to leave! Now! " Nina war das zu wenig Autorität - wie dieses bauchfreie Gör da auf unserem Camp stand. Sie hätte sich wahrscheinlich einen wikingerartigen Feuerwehrmann gewünscht, der sie mit rußgeschwärzten Händen wach rüttelt. Die Betriebsamkeit im Camp spricht allerdings für sich. Die Leute packen hektisch ihre Sachen - Autos starten - der Mond ist hinter einer schwarzen Rauchwolke als feuerroter Ball zu sehen und die Polizei führt uns auf ein Messegelände in der Nähe. Der Parkplatz füllt sich umgehend. Später erfahren wir, dass bis zu 6000 Camper in dieser Nacht evakuiert wurden.  



Hinter La Rochelle - in einem kleinen Hafendorf - schlagen wir unser Lager wieder auf. Ein typisch französischer Campingplatz. Dazu gehört eine einsprachige (französische) Website, ein ebenso sprachbegabter Platzwart, ein Pool und Kinderanimation. 

 


Abends gibt es ein Riesenfeuerwerk am Strand. Es ist der 14. Juli - Französischer Nationalfeiertag. Das Baby sieht zum ersten Mal Pyrotechnik. Die Lichter findet es ganz cool - nur bei den Explosionsgeräuschen ist es skeptisch und schreit erst mal. Wenn man ihm die Ohren zuhält gehts allerdings.  

 


Im Nachbardorf werden Surfbretter verliehen. Aufgrund der Gezeiten muss man darauf achten, bei ansteigender Flut zu surfen, um immerhin ein paar Wellen zu erwischen. In der Theorie hab ichs mal wieder verstanden.  

 


Gerade sind wir in der Bretagne angekommen. Hier schwankt der Meeresspiegel aufgrund der Gezeiten um bis zu 15 Meter. Bei einem typisch französischen Minibier planen wir die nächsten Tage. 

Mal ehrlich. Das Bier ist echt ne Frechheit. Machen die das so winzig , damit man sich selbst grösser vorkommt? So ne Art Napoleonkomplex?



Sonntag, 10. Juli 2022

Woche 9 und 10

 +++Mailand+++Monaco+++Nizza+++Verdonschlucht+++Béziers+++Toulouse

Etwas verspätet und mit fiebernden Grüßen aus dem Coronalager! Aber erst mal zurück zum Anfang der letzten Woche:

***Von Nina***

Abendessen in Mailand und Frühstück in Nizza. Mit dieser Dekadenz wollten wir in in unsere 9. Reisewoche starten.
Gut, das Abendessen ist dann irgendwo hinter Mailand und die Fahrt nach Nizza ein einziger Stau, sodass wir 2 Std vor Nizza in einem Hinterhofcafé an einer Hauptstraße ein Croissant verspeisen. Aber erst mal hört sichs doch gut an.
Um Mailand kurz zusammenzufassen:
Gucci, Prada, Louis Vuitton, Chanel, Mailänder Dom.
Der Dom immerhin ist wirklich beeindruckend. Sehr groß. Weiß. Mit vielen Zacken auf dem Dach.

Da man in Mailand angeblich shoppen geht und wir nicht auffallen wollen, machen wir einfach mit. In 2 Einkaufszentren genießen wir die angenehme Klimakälte und decken uns mit neuen Klamotten ein. Allerdings nicht von den obengenannten Marken. Dafür reicht weder unser Budget, noch unser Geschmack aus.
Bela begeistert sich auch nicht für Designermode.



Der folgende Tag, an dem wir uns Monaco und Nizza antun wollten, gestaltet sich, wie gesagt, als ein einziger Stau. Dazu setzt ein ordentlicher Starkregen ein, der den Reichtum und Protz der Monegassen etwas verblassen lässt.

Als wir gut 2-3 Stunden später im Schrittempo aus dem Stadtstaat rausfahren, habe ich immernoch nicht begriffen, warum ein Mensch hier jemals freiwillig hinfahren sollte, wenn er nicht gerade vor hat Steuerzahlungen im Heimatland zu "umgehen". Dafür soll sich's ja lohnen...

In Nizza steigen wir ungeplant in einem überteuerten Appartement ab und verschieben die Erkundungstour auf morgen. Wir werden von einer sehr schönen Altstadt überrascht und können uns bei Sonnenschein nun endlich davon überzeugen, warum die Côte d'Azur ihren azurblauen Namen trägt.


Irgendwo hier im Getümmel muss ich wohl mal zu tief Luft geholt und damit die Coronaseuche unter uns dreien verteilt haben.
Bevor wir das merken, machen wir aber noch einen  Stopp an der Schlucht von Verdon.




In unsere Unterkunft hat Bela endlich wieder Kontakt zu Gleichaltrigen. Hier wohnt das Baby Tia (5 Monate, 20 kg, Doggen-Sonstwas-Mischling) die Bela eine Menge Spaß macht, auch wenn er zweimal mal richtig mit Schmackes von ihr umgerannt wird. Hoffentlich haben wir sie und ihre wirklich netten Eigentümer nicht auch verseucht...


Die folgenden Tage verbringen wir dann fiebernd und leidend auf einem Campingplatz in der Nähe von Narbonne, direkt am Meer, welches ich nur einmal kurz zu sehen bekomme. Den Rest der Zeit ists mir einfach zu elend. In der Hitze und mit unseren Symptomen vergeht uns glatt der Reisepass.
Insbesondere Bela macht uns mit 3 Tagen Fieber, das immer wieder über 40° steigt, wirklich Sorgen. Ein Krankenhausbesuch beruhigt uns zumindest ein wenig. Um komplett beruhigt zu sein, hätten wir das Personal wohl besser verstehen müssen. Man spricht hier auch mit guter Ausbildung "ne pas d'anglais"...
Immerhin finden wir dann noch einen Mann, der uns aus Mitleid in seinem Appartement aufnimmt, in dem wir uns in den Folgetagen auskurieren.

Mit einem Abstecher in Carcassonne, verweilen wir nun für das Wochenende in Toulouse bei Anna und Jerome (Christians Cousine mit Mann.





Montag, 4. Juli 2022

Das große C....

 ... hat uns alle drei erwischt. Deswegen gibt es keinen Eintrag in dieser Woche. Holen wir nach. 

Wir sind gerade in der Nähe von Narbonne auf einem Campingplatz geparkt und betreiben "Quarantanning"