Montag, 1. August 2022

Woche 13

+++Etretat+++Paris+++Wörrstadt+++Stedten+++Berlin+++

 ...von christian... 

Die letzte Woche starten wir mit einem Frühstück am Meer. Das letzte mal Baden im Atlantik. Von hier an geht es immer ostwärts. Richtung Heimat.


Paris liegt auf der Strecke. Das lassen wir uns nicht nehmen und fahren zum Fotoshooting an den Eiffelturm.


Viele Strassen sind gesperrt und die Stadt ist voller Touristen mit Sporttrikko. Komisch. Irgendwann wird uns klar, dass die Tour de France heute in Paris endet. Der Champs Elysee ist gesperrt und zahlreiche Sportfans in Feierlaune. Wir überlegen hin und her, wie wir uns auch das Finale anschauen können, aber es hilft nix. Wir müssen weiter. 

Mit einem kleinen Umweg stehen wir am Dienstag früh mit Brötchen vor der Wohnungstür von Ninas Mutter. Sie weiss von nix und freut sich umso mehr über den Überraschungsbesuch. Glaub ich zumindest. Auf jeden Fall hat sie sich nichts anmerken lassen. Das gleiche Spiel wiederholen wir bei ihrem Vater in Mainz und am Samstag bei meinem Vater in Stedten. 






 

 

 

 

 

 

Diese Zeit macht uns das Ankommen in Deutschland etwas leichter. Wir besuchen Freunde und Familie. Wir müssen uns nicht mehr allein ums Baby kümmern - es geniesst es auch und ignoriert uns dafür. Die Befürchtungen, dass es nach drei Monaten so auf uns geeicht ist und wahrscheinlich bei allen anderen Menschen fremdeln würde, bestätigt sich nicht.


Jetzt sind wir wieder in Berlin, packen Sachen aus, freuen uns auf unsere Wohnung, darauf unsere Leute wieder zu treffen und schauen etwas wehmütig auf diese Reise zurück. Von mir aus könnte es noch weiter gehen.


Wir sind gespannt auf eure Kommentare zu diesem letzten Eintrag. 


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Zusammenfassend haben wir noch ein paar Fakten über die Reise notiert. Für jeden den es interessiert, aber auch für uns. Als Erinnerung.

Wieviele Länder haben wir besucht?
11 -
Tschechien, Slowakei, Ungarn, Serbien, Montenegro, Albanien, Bosnien Herzegowina, Kroatien, Slowenien, Italien, Frankreich

Wieviele Kilometer?
9800 km

Was hat uns der dreimonatige Trip gekostet?
Ca. 11300 Euro

Wie oft haben wir im Auto gecampt, in Pensionen, oder bei Verwandten geschlafen?
64 Nächte waren es im Van, 18 in Pensionen oder Hotels (meistens in den grösseren Städten) und 9 Nächte haben wir bei Verwandten geschlafen.


Wo wars am Schönsten?
Christian: in Kotor. Superschöne Panoramastraßen und wir hatten leckeren Wein im Gepäck.

Nina: In Pag. Der schönste Schnorchelspot und ein Campingplatz, der keine Wünsche offen lies.

Welches Land hat uns am meisten überrascht?
Christian: Serbien weil da die schönsten Menschen wohnen, Belgrad sympathisch ist und die Natur entdeckt werden will.

Nina: Serbien - die Gastfreundlichkeit der Menschen, die Schönheit der Natur, das hippe Belgrad



Welche Dinge hatten wir im Gepäck und am Ende nicht gebraucht?
Christian: mein Skateboard und Joggingklamotten und zum Glück - Verbandszeug


Nina: diverse lange Hosen und Jacken und Joggingklamotten


Baby: Spielzeug für Babys, Babyphone

Welche Dinge haben wir vermisst?
Christian: Backofen und eine zweite Herdplatte, mein Motorrad


Nina: bessere Maßnahmen gegen Insekten, ordentlicher Tisch und Stühle, bessere Sonnenbrille






 

Montag, 25. Juli 2022

Woche 12

+++Cancale+++Normandie+++Etretat+++

...von christian...

Die ersten Tage der Woche verbringen wir noch in der Bretagne. Wir verschwenden unsere Tage damit, uns über die Gezeiten zu wundern und Muscheln zu essen. Ich ernte meine am Strand und das Baby bekommt sie im Restaurant serviert.


Ab und an gehen wir baden. Uns erreicht die Nachricht, dass unser Campingplatz auf dem wir vor Bordeaux waren und evakuiert wurden, abgebrannt ist.

Ich kann einen alten Punkt auf meiner bucket-list abhaken - Mont Saint Michel. Nach dem Eiffelturm, der berühmteste Platz in Frankreich. Ein Dorf mit Kirche auf einer Insel im Meer gebaut. Total surreal. Von Weitem schon erkennt man die Gebäude, die wie eine Pyramide aus dem Watt ragen. Der Anstieg zur Kirche ist eine steile Treppe. Richtig gute Idee hier mit einem Kinderwagen aufzuschlagen. Dem Prinz ist es egal, er wird ja in seiner Senfte überall hin geschleppt. Auf halber Strecke machen wir Rast und setzen uns neben einem alten Mann. Er sucht das Gespräch, erzählt von seiner Tochter, die in Wien lebte. Er kommt aus Russland - und war ziemlich glücklich, mit mir ein paar Brocken russisch zu sprechen. Ich versteh zwar recht wenig, kann das aber mittlerweile mit meinem Schulrussisch sicher überspielen. Er schenkt uns seine Eintrittskarte zur Kirche. Er wird sie nicht erreichen, da er Probleme mit den Knien hat und der Anstieg für ihn zu steil ist.
Selbst in Frankreich kommt man mit Russisch also weiter.



Unser nächster Stopp ist in der Normandie.

Wir campen auf einem Platz, den wir uns mit einem alten Bunker (oder Flagstellung - so genau weiss ich das nicht) teilen. Überall is Krieg. Wir nutzen das gute Wetter und die Nähe zum Meer und gehen ins Museum. Thema is die Machtergreifung Hitlers und die Schlacht am D-Day. Die Deutschen kommen mal wieder schlecht weg.


Auf dem Campingplatz is das Baby selig. Es kann weit laufen, ohne von uns eingefangen zu werden und vor allem gibt es viele Hunde und andere Kinder. Zu unserem Unglück bekommen wir sehr spezielle Nachbarn. Oma, Mutter und der rothaarige und aufgeweckte Vincent, der, wenns gut läuft, von seiner Mutter auch mal liebevoll "Vinnie" genannt wird. Also eher selten. Der vielleicht dreijährige Vinnie beginnt jeden Satz mit "Weißt du...?"
"Weißt du, dass ich die meisten Muscheln gesammelt habe?"
"...ich den Ball am höchsten schießen kann?"
"... unser Auto grösser ist als eures?"
"... mein Papa morgen auch kommt?"
"... mein Papa im Stau steht und deswegen später kommt?"

Irgendwann klaut er unserem Baby den Ball und tritt vor seinen heiligen Holztraktor. Ich finde das gemein. In meinem Kopf misch ich mich ein und frage Vinnie, warum er das macht? Ob er sich mal gefragt hat, dass sein Vater vielleicht gar nicht im Stau steht? Sondern lügt, weil er nicht kommen will? Weil er ihn nicht lieb hat?
Darf man ja alles nicht sagen und deswegen lasse ich es.




Mit einem Strandtag in Étretat verabschieden wir uns von der Normandie und starten unsere letzte Woche der Reise.





Montag, 18. Juli 2022

Woche 11

 +++Toulouse+++Dune du Pilat+++La Tranches-sur-mer+++Nantes+++Cancale+++

... von christian...

Die Dune de Pilat - die höchste Wanderdüne Europas - trennt unser Camp vom Atlantik. Wie ein schlechter Scherz ragt sie vor uns in den Himmel und macht den kurzen Spaziergang zum Atlantik zu einer Tortur. Trotzdem ist es faszinierend diesen Sandklops zu besteigen und auf der anderen Seite den Atlantik zu sehen. Wir verbringen den Nachmittag am Meer und lassen uns auch von den aufsteigenden Rauchschwaden auf der Campseite nicht stören. Beim Rückweg wird klar, dass ein Waldbrand in der Nähe wütet. Sirenen tönen durch den Wald und die Löschflugzeuge drehen ihre Runden. 


 

Den besten Blick hat man von der Düne, weshalb allerhand Franzosen ihren Aperitif hier hoch verlegen und den Flugzeugen beim Löschen und dem Brand beim Brennen zuschauen. Nach Einbruch der Dunkelheit sieht man die Brandherde besonders gut. Die Leute im Camp waren entspannt. Kein Grund zur Panik - immerhin steht der Wind gut und uns trennt noch eine Strasse vom Feuer. Das wird schon gut gehen. Denken wir und legen uns schlafen.

Nachts um drei steht eine junge Frau an unserem Auto. "The fire is coming - you 'ave to leave! Now! " Nina war das zu wenig Autorität - wie dieses bauchfreie Gör da auf unserem Camp stand. Sie hätte sich wahrscheinlich einen wikingerartigen Feuerwehrmann gewünscht, der sie mit rußgeschwärzten Händen wach rüttelt. Die Betriebsamkeit im Camp spricht allerdings für sich. Die Leute packen hektisch ihre Sachen - Autos starten - der Mond ist hinter einer schwarzen Rauchwolke als feuerroter Ball zu sehen und die Polizei führt uns auf ein Messegelände in der Nähe. Der Parkplatz füllt sich umgehend. Später erfahren wir, dass bis zu 6000 Camper in dieser Nacht evakuiert wurden.  



Hinter La Rochelle - in einem kleinen Hafendorf - schlagen wir unser Lager wieder auf. Ein typisch französischer Campingplatz. Dazu gehört eine einsprachige (französische) Website, ein ebenso sprachbegabter Platzwart, ein Pool und Kinderanimation. 

 


Abends gibt es ein Riesenfeuerwerk am Strand. Es ist der 14. Juli - Französischer Nationalfeiertag. Das Baby sieht zum ersten Mal Pyrotechnik. Die Lichter findet es ganz cool - nur bei den Explosionsgeräuschen ist es skeptisch und schreit erst mal. Wenn man ihm die Ohren zuhält gehts allerdings.  

 


Im Nachbardorf werden Surfbretter verliehen. Aufgrund der Gezeiten muss man darauf achten, bei ansteigender Flut zu surfen, um immerhin ein paar Wellen zu erwischen. In der Theorie hab ichs mal wieder verstanden.  

 


Gerade sind wir in der Bretagne angekommen. Hier schwankt der Meeresspiegel aufgrund der Gezeiten um bis zu 15 Meter. Bei einem typisch französischen Minibier planen wir die nächsten Tage. 

Mal ehrlich. Das Bier ist echt ne Frechheit. Machen die das so winzig , damit man sich selbst grösser vorkommt? So ne Art Napoleonkomplex?



Sonntag, 10. Juli 2022

Woche 9 und 10

 +++Mailand+++Monaco+++Nizza+++Verdonschlucht+++Béziers+++Toulouse

Etwas verspätet und mit fiebernden Grüßen aus dem Coronalager! Aber erst mal zurück zum Anfang der letzten Woche:

***Von Nina***

Abendessen in Mailand und Frühstück in Nizza. Mit dieser Dekadenz wollten wir in in unsere 9. Reisewoche starten.
Gut, das Abendessen ist dann irgendwo hinter Mailand und die Fahrt nach Nizza ein einziger Stau, sodass wir 2 Std vor Nizza in einem Hinterhofcafé an einer Hauptstraße ein Croissant verspeisen. Aber erst mal hört sichs doch gut an.
Um Mailand kurz zusammenzufassen:
Gucci, Prada, Louis Vuitton, Chanel, Mailänder Dom.
Der Dom immerhin ist wirklich beeindruckend. Sehr groß. Weiß. Mit vielen Zacken auf dem Dach.

Da man in Mailand angeblich shoppen geht und wir nicht auffallen wollen, machen wir einfach mit. In 2 Einkaufszentren genießen wir die angenehme Klimakälte und decken uns mit neuen Klamotten ein. Allerdings nicht von den obengenannten Marken. Dafür reicht weder unser Budget, noch unser Geschmack aus.
Bela begeistert sich auch nicht für Designermode.



Der folgende Tag, an dem wir uns Monaco und Nizza antun wollten, gestaltet sich, wie gesagt, als ein einziger Stau. Dazu setzt ein ordentlicher Starkregen ein, der den Reichtum und Protz der Monegassen etwas verblassen lässt.

Als wir gut 2-3 Stunden später im Schrittempo aus dem Stadtstaat rausfahren, habe ich immernoch nicht begriffen, warum ein Mensch hier jemals freiwillig hinfahren sollte, wenn er nicht gerade vor hat Steuerzahlungen im Heimatland zu "umgehen". Dafür soll sich's ja lohnen...

In Nizza steigen wir ungeplant in einem überteuerten Appartement ab und verschieben die Erkundungstour auf morgen. Wir werden von einer sehr schönen Altstadt überrascht und können uns bei Sonnenschein nun endlich davon überzeugen, warum die Côte d'Azur ihren azurblauen Namen trägt.


Irgendwo hier im Getümmel muss ich wohl mal zu tief Luft geholt und damit die Coronaseuche unter uns dreien verteilt haben.
Bevor wir das merken, machen wir aber noch einen  Stopp an der Schlucht von Verdon.




In unsere Unterkunft hat Bela endlich wieder Kontakt zu Gleichaltrigen. Hier wohnt das Baby Tia (5 Monate, 20 kg, Doggen-Sonstwas-Mischling) die Bela eine Menge Spaß macht, auch wenn er zweimal mal richtig mit Schmackes von ihr umgerannt wird. Hoffentlich haben wir sie und ihre wirklich netten Eigentümer nicht auch verseucht...


Die folgenden Tage verbringen wir dann fiebernd und leidend auf einem Campingplatz in der Nähe von Narbonne, direkt am Meer, welches ich nur einmal kurz zu sehen bekomme. Den Rest der Zeit ists mir einfach zu elend. In der Hitze und mit unseren Symptomen vergeht uns glatt der Reisepass.
Insbesondere Bela macht uns mit 3 Tagen Fieber, das immer wieder über 40° steigt, wirklich Sorgen. Ein Krankenhausbesuch beruhigt uns zumindest ein wenig. Um komplett beruhigt zu sein, hätten wir das Personal wohl besser verstehen müssen. Man spricht hier auch mit guter Ausbildung "ne pas d'anglais"...
Immerhin finden wir dann noch einen Mann, der uns aus Mitleid in seinem Appartement aufnimmt, in dem wir uns in den Folgetagen auskurieren.

Mit einem Abstecher in Carcassonne, verweilen wir nun für das Wochenende in Toulouse bei Anna und Jerome (Christians Cousine mit Mann.





Montag, 4. Juli 2022

Das große C....

 ... hat uns alle drei erwischt. Deswegen gibt es keinen Eintrag in dieser Woche. Holen wir nach. 

Wir sind gerade in der Nähe von Narbonne auf einem Campingplatz geparkt und betreiben "Quarantanning" 




Sonntag, 26. Juni 2022

Woche 8

+++Zerovnica+++Kobarid+++Gardasee+++Comersee+++

 ...von christian...

Slowenien präsentiert sich uns wieder einmal als unterschätztes Reiseland. Schroffe Berge und wunderschöne Gebirgsseen waren mir bekannt, aber es gibt auch ein zwei Höhlen die es echt wert sind, sich in diesem Land etwas mehr Zeit zu lassen.  

Zum einen die Krizna Jana. Mitten im Wald kündigt sie sich durch einen kalten Luftstrom an. Der Eingang in die Unterwelt wirkt wie ein Verließ. Nur mit Guide und Taschenlampe bewaffnet ist es möglich diese zu besichtigen. Es herrschen 8 Grad. Passend zu den wilden und zerklüfteten Gängen passt die Vorstellung, dass hier Skelette vom  Höhlenbären gefunden wurden. Einem über drei Meter großen und über eine Tonne schwerem, aber zum Glück ausgestorbenem, Ungetüm.  

 


Die Postojna-Höhle ist da ganz anders. Die Besucher werden, nach Sprache sortiert, mit einer kleinen Bahn in die Tiefe gefahren. Einem Festsaal gleich präsentiert sich die perfekt ausgeleuchtete Tropfsteinhöhle. Vollkommen surreal und wunderschön.   Einzig die festgelegten und asphaltierten Wege geben dem Auge halt.  

Das Baby erprobt hier die Akustik:


In diesem unterirdischen Paradies lebt der Grottenolm. Ein weißes, aalartiges und blindes Tierchen, dessen Erscheinung genauso unästhetisch ist wie der Name selbst. In Slowenien kann man also beides haben. Höhlenbär und Grottenolm.   

 



Wir fahren weiterhin sehr gut mit der Idee uns Stellplätze auf einem Bauernhof zu suchen. So frühstücken wir also zwischen Rehen, riechen die Schweine und wandern zwischen Kühen und Schafen. Der Hund ignoriert uns und die Katze ist nen Arsch. Aber auch egal - sind ja eh alles Wauwaus.   

 
Nina peitscht sich ihren Adrenalispiegel beim Rafting in die Höhe. Das ist aber nichts im Vergleich zu ihrer Begegnung mit einer Kreuzotter. Das hat sie nur knapp überlebt. Wäre schade gewesen und ich hätte mich bestimmt geärgert.   
 
Am Gardasee arbeiten wir weiter an unserer Verwahrlosung beim Campen. Es fallen Sätze wie: "Such dir ne trockene Stelle und setzt dich endlich auf die Decke - dann können wir frühstücken wie ganz normale Menschen!" oder "Weißt du was das Baby da kaut? Ist das schon wieder ein Zigarettenstummel?" 

 

Abends machen wir uns immer hübsch (indem wir uns feste Schuhe anziehen und das Baby ne Windel bekommt) und gehen essen. In Italien wird nicht selbst gekocht. Viel zu geil diese Gnotschies, Matscheronies und Broscheddas.   
 
Wenigstens einen Punkt auf meiner bucket-list kann ich abhaken. Ein Besuch im Motoguzzi-Museum am Comersee.   

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Anbei noch ein paar Eindrücke von unserem Camperleben:

 
Unsere Leseecke: 

Die Küche:

Das Bad:






Sonntag, 19. Juni 2022

Woche 7

 +++Peruca Lake (Kroatien)+++Krka Nationalpark+++Insel Pag+++Insel Krk+++Bauernhof bei Zerovnica (Slovenien)+++

... von christian... 


Woche 7 ist vorbei - Halbzeit.  

Sieben Wochen lang durften wir den Balkan kennen lernen. Städte, Seen, Flüsse, Berge. 

Sieben Wochen durften wir uns besser kennen lernen und dem Baby beim Wachsen zuschauen. Das ist für uns wahrscheinlich einmalig, aber auch: 

Sieben Wochen lang nur wir drei. Kaum andere Leute. Kaum Zeit alleine. Das ist  dann auch mal eine andere Art der Herausforderung. Doch bevor sich der Lagerkoller breit machen kann, reisen wir weiter.  

So treibt es uns in den Krka-Nationalpark im Süden von Kroatien. "Langsam starten" in diesem vom Tourismus erprobten Land. Nicht gleich an die Küste, wo Menschenmassen wie auf der Perlenschnur aufgereit irgendwelchen sichtbaren oder unsichtbaren Gesetzmäßigkeiten folgen. So dachten wir.   

Der Nationalpark ist wunderschön. Man läuft über Holzstege, nebenan Wasserfälle und unter dem Steg lauern Forellen auf das was aus dem Taschen der Besucher fällt.  Wie so vieles auf Reisen ist es hier ganz schön, wenn nicht die anderen Besucher wären. Wir reihen uns ein, geben uns andere Namen, die nach Berlin Marzahn klingen und machen Fotos von uns, wo man eben Fotos macht. Bloß nicht auffallen. Das ist die Vorbereitung auf das, was noch kommt.    


 

Ein paar Kilometer weiter gibt es den Roski Wasserfall. Hier ist es anders schön. Weniger Menschen und weniger Regeln. Eine Höhle berichtet über das Leben der Steinzeitmenschen. Plötzlich muss ich an einen Kumpel aus Berlin denken.   


Wir machen Halt auf der Insel Pag. Diese verläuft parallel zur Küste, ist nur über eine Straße und über eine Fähre erreichbar und somit ne Alternative zur Küstenstraße auf dem Festland. Ein kleiner niedlicher Campingplatz direkt am Meer soll es sein. 

Abends kommen die Mücken. Wir müssen das Baby opfern, damit sie uns einigermaßen in Ruhe lassen.  Dafür bekommt es seinen eigenen Pool. Ratzfatz wärmt sich hier das Wasser auf und das Baby sorgt selbstständig dafür, dass es konstant bei 37 Grad bleibt. Wir gehen lieber ins Meer und halten uns von diesem Moloch fern. Viel zu ekelhaft, was es da veranstaltet.  

 


Das ist der beste Schnorchelspot überhaupt und Nina möchte überhaupt nicht mehr raus aus dem Wasser. Sie ist nun Spezialistin für Seegurken.   


Nach zwei entspannten Tagen zieht es uns auf die nächste Insel namens Krk. Eigentlich wollte ich hier tauchen gehen, aber die Tauchcenter sind genauso voll wie die Campingplätze. 

"Deutschland muss leer sein, denn Deutschland ist hier..." murmelt sie von der Fahrerseite. Ganz im Süden ist noch was frei. Das ist kein Campingplatz, sondern ein Campingdorf. Eigentlich viel mehr eine Campingkirmes. Es ist einfach sich über die Piefigkeit einer solchen Anlage aufzuregen, ohne zu akzeptieren, dass man hier nicht Beobachter sondern Teil des Events ist. 

"Du stehst nicht im Stau - du bist Stau!" 

So siehts nämlich aus, und deswegen will ich mich über diesen selbst gewählten Platz gar nicht aufregen und erwähne deshalb nicht die Menschenmassen am Strand, die all ihren über mehrerer Jahre zusammengekauften Plastikschrott ans Ufer schieben, ohne den ein Meeraufenthalt fast nicht möglich wäre. Wenn ihnen noch was fehlt, warten 4 km Promenade darauf leergekauft zu werden. Ich sag auch nichts über das Bierbike, welches man sich ausleihen könnte. Und auch nicht über den Pool voller Eltern und deren Brut. Die Karaokeband ("Son of a preacher-man", "Pretty woman") war so freundlich öfter mal eine Pause einzulegen. 

Ich will auch nicht ablästern über die Deutsche, deren Camp super chaotisch aussah, deren Balg die halbe Nachbarschaft unterhielt und zu deren Krönung sie am Ende noch versuchte den überteuerten Preis zu drücken, weil der versprochene aber nie benötigte Wasseranschluss nicht direkt am Platz sondern erst am Nachbarplatz auffindbar war. (Nina R.)   

"Du bist Stau."

Lagerkoller. Da war er wieder.    




OK, wir müssen planen. Was wollen wir noch machen? Wie wollen wir die nächsten Wochen verbringen. Zur Haupturlaubszeit an den Haupturlaubsspots am Meer die Ruhe und Einsamkeit zu suchen ist sinnlos. Also fahren wir ins Inland nach Slovenien. Wir finden einen wunderschönen Ort. Einen Bauernhof mit Hunden, Kühen, Katzenbabys, Küken und Hühnern. Oder wie sie das Baby zusammenfasst: "Wauwau".
Im Hintergrund tuckert ein Traktor und wir planen die nächsten Touren.



Sonntag, 12. Juni 2022

Woche 6

 ***Von Nina***

Mostar ist schön! Es wurde während des Bosnienkriegs in den 90ern stark zerstört und das ist bis heute sichtbar. Die Stadt ist weiterhin getrennt. Auf einer Seite des Flusses leben die Bosniaken (die muslimischen Bosnier) und auf der anderen Seite die bosnischen Kroaten. Das merkt bzw sieht man auch, wenn man durchläuft.
Schon 2018 hat uns der Sniper Tower beeindruckt, ein ehemaliges Bankgebäude, auf dem die bosnischen Kroaten Scharfschützen platziert haben, um die Gegenseite zu beschießen. Um so merkwürdiger ist das Gefühl jetzt unseren Belaprinzen im Buggy davor zu sehen.

 


 

Sowohl in Mostar als auch in Sarajevo, unserem nächsten längeren Aufenthalt, scheint der Krieg noch allgegenwärtig. Unzählige Wohnhäuser sind voller Einschusslöcher und insbesondere in Sarajevo reiht sich ein Friedhof an den nächsten.
Die unzähligen weißen Steine zeigen zumeist Todesdaten zwischen 1992 und 1995.


 

Die Vorstellung, dass fast jeder Erwachsene hier noch aktive Erinnerungen an den Krieg haben dürfte, ist heftig. Die Museen, die wir uns dazu anschauen, verschonen einen nicht mit Bild- und Tonaufnahmen aus dieser schrecklichen Zeit.
Im Unterschied zu den verwackelten Schwarz-Weißaufnahmen aus dem 2. WK, ist hier alles in Farbe und wirkt wesentlich näher. Unzählige Bilder von Leichen, auch von Babys und Kindern, hängen in Großformaten an den Wänden. Daneben laufen Videos mit Interwies von Müttern, die beschreiben wie sie ihre Söhne und Männer vor dem Massaker von Srebrenica entrissen bekommen haben. Dazwischen krabbelt Bela auf dem Boden herum (was ein mulmiges Gefühl) und beschwert sich lauthals, weil ihn das alles anödet. Feingefühl hat er nicht, dieser Bengel! Dabei hatten wir ihm mehrfach alles erklärt und er hat sogar die Dokus mit uns geschaut...

Einerseits ist es beeindruckend wie bunt gemischt die Kulturen in Sarajevo nebeneinander leben. Es gibt ca 70 Moscheen, die teils in unmittelbarer Nähe zu orthodoxen und christlichen Kirchen und Synagogen stehen. Es laufen voll verschleierte Frauen in Burka, neben jungen Frauen in bauchfreiem Top.
Andererseits ist bekannt, dass dieser Frieden auferzwungen ist und unter der Oberfläche weiterhin Bosniaken, Kroaten und Serben durchaus Feinde sein können. Die Museen, die wir hier besuchen, zeigen nur eine Seite - die der Muslime.
Dass auch Serben und Kroaten zu Tode kamen, wird nicht erwähnt. So werden als Täter auch nur Milosevic, Mladic und Co erwähnt.

Am Krieg kommt man also nicht vorbei, wenn man durch Bosnien, das am meisten geschädigte Land auf dem Balkan, reist.

Uns hat es hier, trotz oft bedrückender Bilder, super gefallen. Wir waren vielfach lecker essen, Bela war ein Türoffner auch zu solchen Männern, die zunächst nicht freundlich wirkten und zum Rest sowieso. Sarajevo hat für mich etwas mystisches, das ich sehr mag. Der Fluss, der nach Regenfällen rot gefärbt ist und dazu die Muezzingesänge, die sich über die Dächer legen und die muslimischen Bürger zum Gebet rufen.

 




Wir sehen uns eine der Moscheen an. Was soll ich sagen... Ein großer Raum, der komplett mit Teppich ausgekleidet ist. Ein idealer Ort, um Bela krabbeln zu lassen. Hält man ihn davon ab, kann man sich von der hervorragenden Akustik beeindrucken lassen. Mir reicht dieser eine Moscheebesuch. So ein Kopftuch steht mir einfach nicht!

 



 

Nun geht es weiter Richtung kroatische Grenze.  Diesmal reisen wir etwas nördlicher ein und hoffen dem Massentourismus noch zu entkommen. Vor uns liegen einige Stunden Fahrt. Bela, der ungünstiger Weise immer mehr eigenen Willen entwickelt, den wir bisher nicht schaffen zu brechen, wird das nicht gefallen. Mal sehen wie weit wir heute kommen....

Ich möchte nicht unerwähnt lassen welche (meist tierische) Hindernisse und auf den Straßen hier öfters begegnet sind. Von der riesen Blindschleiche konnten wir leider kein Bild machen.

 


 

Wir finden noch vor der Grenze einen Platz zum Wildcampen, direkt an einem großen See in der Nähe von Tomislavgrad. Es ist sehr stürmisch und kühl. Die Wellen sind so hoch, wie man es sonst nur vom Meer kennt. Daher ist Baden an diesem Abend keine Option aber der Platz ist super schön.



 

Am Campingplatz in Kroatien finden wir uns erneut an einem richtig schönen See wieder. Es sind kaum Gäste da und Badewetter haben wir auch. So geht diese Woche entspannt zu Ende. Ich könnte jetzt noch mehr langweiliges Zeugs schreiben, stattdessen wünsch ich euch allen einen schönen Restsonntag! Bela macht's sich in der Hängematte bequem.